Geschichte - Rückblick auf über 125 Jahre Vereinsgeschichte

Als rechtmäßiger Nachfolger des auf Initiative von Lehrer Anton Maier am 30. Mai 1886 gegründeten "Dorfverschönerungsverein Wiessee“, ist der jetzige Kur- und Verkehrsverein Bad Wiessee e.V. seit seiner Neugründung am 26. Juli 1949 dazu angehalten, die damaligen Beweggründe und Ziele unter Vorsitz des späteren 1. Bürgermeisters, Egid Pauli, weiterzuverfolgen und — soweit möglich — zu verwirklichen. 

Wenn man bedenkt, dass in der Gründungssatzung von 1886 als Zweck des Vereins u. a. festgelegt war, wie z.B. Verschönerung Wiessees und seiner Umgebung, sowie Erschließung bisher schwer zugänglicher Gebirgspartien in nächster Nähe des Ortes u.v.m., (wobei das Wort Fremdenverkehr noch keinerlei Erwähnung fand) so sind damit die Aufgaben des Nachfolgers Kur- und Verkehrsverein Bad Wiessee grundlegend vorgegeben.

Selbstverständlich haben in der Zeitspanne von über einem Jahrhundert Begriffe und Bezeichnungen eine weitgehende Veränderung erfahren. Dies bedeutet auch, daß sich durch den Wandel von der „Sommerfrische für Fremde“ in den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts zum vollkommerzialisierten „Fremdenverkehr“ mit allen seinen Begleitergebnissen das Aufgabengebiet des Nachfolgevereins wesentlich erweitert und teilweise verändert hat.

Geblieben aber ist der Grundgedanke „etwas für Wiessee und die Förderung des Tourismus zu tun“.

Dem damaligen Verschönerungsverein gelang es, gestützt auf seine meist an Sommerfrischler vermietende oder an deren Anwesenheit interessierten Mitglieder, etliche Einrichtungen zu schaffen, die heute noch zur Verfügung stehen bzw. inzwischen den jetzigen Anforderungen und Bedürfnissen angepasst wurden.

Als erstes sei hier die Errichtung des geräumigen Unterstand-Häuschens auf der Prinzenruhe im Jahr 1890 genannt. Das damals von fachkundigen Vereinsmitgliedern geschaffene Bauwerk sollte dem Wanderer auf dem Höhenweg zum Freihaus - Prinzenruhe - Sonnenbichl bei plötzlichem Witterungsumschlag einen sicheren Unterstand geben, aber auch an diesem schönsten Aussichtspunkt auf den Ort und das Tal, die Möglichkeit zum erholsamen Verweilen und Genießen der Landschaft.

In früherer Zeit, als man es noch viel enger sah, diente das Prinzenruhhäusl nicht nur dem Wanderer als Ruheplatz, sondern auch manch einem verliebten Paar zur abgeschiedenen und ungestörten Zweisamkeit. Aber dies ist schon lange Vergangenheit.

Das vom Verschönerungsverein schon 1898/99 geschaffene und 1909 baulich verbesserte Freibad an der Zeiselbachmündung, später Hubertusbad genannt, musste Anfang der 30iger Jahre der südlichen Erweiterung der Seepromenade weichen. Jetzt ist in diesem Bereich u. a. ein sehenswertes und gut bestücktes Alpinum angelegt.

Auch die Anlage des Söllbachdammweges in den Jahren 1909/13 von der damaligen Distriktstraße — jetzt B 318 — bis zum Seeufer beim ehemaligen Salinen-Stadl - nunmehr Seeuferanlage Abwinkl mit Musikpavillon am Überfahrtweg - war ein Werk des Verschönerungsvereins. Diese Wegebaumaßnahme geschah im Zusammenhang mit der Bachbett-Regulierung des seinerzeit hochwasserträchtigen Söllbaches durch das Flußbauamt Rosenheim.

Weiters sind noch als markante Arbeiten zu nennen: die Aufstellung von Wegweisern und Anbringung von Weg-Markierungen zu den Ausflugszielen auf den Berghöhen. Auch die Begehbarmachung der Wege in die Au, zum Freihaus und des jetzigen Sonnenfeldweges, die Errichtung von Brücken und Stegen, sowie die Aufstellung von Ruhebänken waren sichtbarer Ausdruck der Tätigkeit der damaligen Vereinsmitglieder.

Die Reihe der satzungsgemäß bezogenen aktiven Tätigkeiten des Verschönerungsvereins ließe sich noch beliebig fortsetzen. Aus der Zeit nach dem 1. Weltkrieg 1914/18 sind leider fast keine Unterlagen mehr vorhanden.

Erst ein Dokument vom 23.03.1923 gibt darüber Aufschluss, dass sich der Verschönerungsverein am 17. März 1923 eine neue, den allgemeinen Veränderungen angepasste Satzung gab, die aber den Grundgedanken von 1886 als Leitlinie hatte. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Vereinsname geändert bzw. ergänzt. Ab 1923 führte der Verein die Bezeichnung „Kur- und Verschönerungsverein Bad Wiessee“. Damit wurde dem mittlerweile durch den Aufschwung des Kurbetriebes mit dem Jod-Schwefelbad sowie der regierungsamtlichen Verleihung des Zusatzes „Bad“ zum Ortsnamen im Jahr 1922 Rechnung getragen.

Schon in dieser Zeit waren alle Aufgaben, die mit dem damals vermehrten Kur- und Fremdenverkehrsbetrieb auftraten, im Verein zusammengefasst. Die Gemeinde erhob zwar von den Gästen eine Kurabgabe, die aber je nach Aufkommen, zum größten Teil an den Verein zur Erfüllung seiner Aufgaben weitergegeben wurde.

Maßgebender Mann in diesem Zeitabschnitt bis 1934 war der damalige Hauptlehrer Heim, der als ehrenamtlicher Geschäftsführer mit einer Schreibkraft all dies besorgte, was heute durch die Kurverwaltung erledigt wird.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 schlug auch die Stunde für den Kur- und Verschönerungsverein. Im Zuge der allgemeinen Nivellierung und Gleichschaltung auf die Linie der NS-Staatspartei beschloss der Gemeinderat am 25.04.1934:

  1. Der Kurverein Bad Wiessee wird aufgelöst und an seiner Stelle ein gemeindliches Verkehrsamt errichtet. Der Kurverein ist beim Registergericht abzumelden bzw. zu löschen. Sämtliche Aufgaben des Kurvereins gehen nunmehr auf das gdl. Verkehrsamt über. Es übernimmt das gesamte Vermögen, ausstehende Forderungen, Verpflichtungen und Schulden des Kurvereins. Das Verkehrsamt ist damit auch berechtigt, die noch ausstehenden Kurvereinsbeiträge aus den letzten Jahren einzuziehen.


Der bisherige 2. Vors., Direktor Driessen wird dem gemeindl. Verkehrsamt im Sinne der Deutschen Gemeindeordnung als Sachverständiger zugeteilt.

Der daraufhin von der Gemeinde beantragten Löschung des Vereins im Vereinsregister beim Amtsgericht Miesbach wurde vom Registergericht jedoch nicht entsprochen. Dies mit der Begründung, dass sich ein Verein nur aufgrund eines protokollarisch festgehaltenen Beschlusses der Vereinsmitglieder gemäß § 6 Abs. 5 der Satzung selbst auflösen kann. Bezeichnend hierzu ist wohl eine schriftlich festgehaltene Stellungnahme der Gemeinde nach der Ablehnung des Löschungsantrages durch das Register- Gericht:

Nach bisheriger Gesetzgebung und nach Richter-Standpunkt wäre eine Wiedereinberufung des alten Kurvereines notwendig zur Abstimmung über die heutige Vorstandschaft und zur Auflösung.

Die autoritative Auflösung des alten Vereines und der Ersatz des parlamentarischen Abstimmungssystemes durch das Führersystem würde bei der vom Richter geforderten „Formalität“ in den spießbürgerlichen Kreisen in ein sehr minderes Licht gerückt.

Damit war der Kur- und Verschönerungsverein stillschweigend beseitigt und das Problem vom Tisch.

Von diesem Zeitpunkt ab wurden sämtliche Aufgaben hinsichtlich des Fremdenverkehrs vom Verkehrsamt allein wahrgenommen. Durch den immer mehr zunehmenden Kurbetrieb im Jod-Schwefelbad und die damit verbundene Steigerung der Gästezahlen war die räumliche und personelle Vergrößerung des Verkehrsamtes notwendig geworden und es wurde 1936 in „Kuramt“ umbenannt.

Nach dem Kriegsende 1945 dauerte es wegen der allseits bekannten Gründe noch 3-4 Jahre, bis der Kur- und Fremdenverkehr wieder langsam in Schwung kam. Dies war auch das Startzeichen für einen neuen Verkehrsverein.

Sein Wollen und Wirken sollte sein, den jetzt frei gewählten Gemeinderat in seinem Bemühen zu unterstützen, den wiederauflebenden Kur- und Fremdenverkehr und auch die Präsentation Bad Wiessees als Wintersportort durch geeignete Maßnahmen nachhaltig zu fördern. Einige Wiesseer Bürger, vertreten durch Herrn Huthmann, hatten sich Anfang 1949 zusammengefunden und ein Sportkomitee Bad Wiessee gegründet. Dieses sah seine Aufgabe darin, die im Ort vorhandenen Winter- Sportanlagen zu verbessern und möglichst zu erweitern. Die finanziellen Mittel für dieses Komitee, insbesondere die Vergütung des vorgesehenen hauptamtlichen Geschäftsführers, sollten von der Gemeinde getragen werden.

Bei der Behandlung eines diesbezüglichen Antrages des Komitees im Juni 1949 im Gemeinderat machte Alt-Bürgermeister Sanktjohanser darauf aufmerksam, dass in Kürze die Wiedergründung des ehemaligen Kur- und Verschönerungsvereines erfolgen wird. Diese Aussage war für den Gemeinderat der Anlass, mit Beschluss vom 20. Juni 1949 zu empfehlen, das Sportkomitee dem neuen Kurverein anzugliedern bzw. beide Interessengruppen - Fremdenverkehr und Wintersport - in einem rechtsfähigen Verein zusammenzufassen.

Es war dann auch Alt-Bürgermeister Sanktjohanser, der vier Wochen später die Gründungsversammlung zum 26. Juli 1949 im alten Saal des Gasthofes zur Post einberief.

Er war somit der Initiator für das Wiederaufleben des alten Kur- und Verschönerungsvereines und auch der Neugründung des umbenannten Nachfolgevereins.

Altbürgermeister Leonhard Sanktjohanser, als Gründer des Kur- und Verkehrsvereines, ist heute noch für sein umsichtiges Handeln zu danken. Als erfahrener Bürgermeister wusste er immer den richtigen Weg einzuschlagen. Nebenbei sei bemerkt, dass es fortan eines hauptamtlichen Geschäftsführers im Kur- und Verkehrsverein nicht mehr bedurfte.

In der Wieder- bzw. Neugründungsversammlung vom 26. Juli 1949 wurde von den 29 Gründungsmitgliedern Herr Dr. med. Ernst Legené zum 1. Vorstand gewählt. Zwei Jahre später (1951) folgte ihm Herr Dr. med. Richard Gerngroß in diesem Amt nach. Im Zeitabschnitt des wirtschaftlichen Wiederaufbaues waren seinerzeit die Themen und markanter Ausdruck der Vereinsaufgaben:

 „Bereitstellung kurgemäßer gemeindlicher Nebeneinrichtungen als Ergänzung der Badekur“, „Bad Wiessee auch ein Wintersportort“, „Schaffung der dazu noch zusätzlich notwendigen Anlagen“, sowie die Beratung über damals zeitbedingte Sachprobleme.

Nachdem Dr. Gerngroß das Amt des 1. Vorsitzenden aus gesundheitlichen Gründen im Jahr 1957 abgeben musste, wurde der seinerzeitige 2. Vorsitzende Rechtsanwalt Hans Windfelder durch Neuwahl in der Hauptversammlung zum 1. Vorsitzenden bestimmt und mit der Vereinsführung betraut. Durch Wiederwahlen in den Folgejahren war er dann nahezu 20 Jahre an der Vereinsspitze.

In diesen zwei Jahrzehnten bis 1976 umfasste die Tätigkeit des Vereins eine Fülle von Anregungen und Wünschen an die Gemeinde- und Kurverwaltung sowie etliche Stellungnahmen zu größeren und kleineren Projekten des Gemeinderates. In enger Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und dem Jod-Schwefelbad konnten grundlegende Anregungen des Vereins verwirklicht werden.

Aus der Vielzahl der in diesen Jahren angesprochenen Sachgebiete seien hier in Stichworten einige herausgegriffen: Tag des Gastes, Bau eines Kurhauses, Umgehungsstraße, Bettenzehnerl für Fremdenverkehrsbetriebe, Prinzenruh-Häuschen, Beflaggung der Häuser zum Tag des Gastes, Seefest mit Feuerwerk, Badebus Abwinkl und Jägerwinkl, Kurruhe, Hallenbad, Kurdirektor, Zweite Saison im Winter, Besetzungsstärke des Kurorchesters, Hochspannungsleitung, Fußgängertunnel Lindenplatz, Fußgängerüberwege (Grüne Welle), Sessellift zum Zottergipfel, Verlängerung der Seepromenade, innere und äußere Werbung u.v.m.

Leider ließ in der 2. Hälfte dieses Zeitabschnittes die aktive Mitwirkung der Vereinsmitglieder merklich nach. Nachdem die Besucherzahl bei den im 3- Jahres-Turnus abgehaltenen Hauptversammlungen bis auf zuletzt 30 Personen bei 180 Mitgliedern absank und auch das Verhältnis Kur- und Verkehrsverein / Gemeinderat offensichtlich gestört war, sah 1. Vorsitzender Windfelder keine ausreichende Basis mehr für eine gedeihliche Vereinsarbeit. Er legte deshalb 1976 den Vereinsvorsitz endgültig nieder. Bei der dann vom amtierenden 2. Vorstand Helmut Ertle einberufenen und geleiteten außerordentlichen Hauptversammlung zur notwendigen Neuwahl des 1. Vorstandes konnte weder ein neuer Vorstand noch eine neue Vorstandschaft gewählt werden, weil sich keiner der anwesenden Vereinsmitglieder für das Amt des 1. Vorsitzenden zur Verfügung stellte. Die Vereins-Krise war da und es stellte sich folgerichtig die Frage über das Weiterbestehen des Vereins.

 

Nach zweimaligem Anlauf, als in der Hauptversammlung vom 28.04.1977 der Auflösungsbeschluss unabänderlich schien, rafften sich die anwesenden Mitglieder auf und gaben dem Verein wieder eine Führungsspitze. Damit war der Weiterbestand des Vereins gesichert. Diese 1977 gebildete Vorstandschaft setzte sich aus folgenden Herren zusammen:

1. Vorstand: Werner Heim, 2. Vorstand: Winfried Jakob, Schriftführer: Franz Xaver Rieder, Kassier: Horst Engel, Kassenprüfer: Harald Engel, Vertreter der Ärzte: Dr. Stefan Schlagintweit, Vertreter für Hotelbetrieb: Karl Hornstein, Fritz Seibold, Vertreter für Gästehäuser: Anton Höß, Theodor Stickl sen., Vertreter für Handel: Albert Mayer, Herbert Mereis, Vertreter für Handwerk: Helmut Ertle, Anton Grauvogl, Herbert Sauer. Seit 1977 ergaben sich naturgemäß neue Tatsachen, die den Verein zur aktiven Mitarbeit veranlassten. Dies waren der massive Einsatz zur Eindämmung des Fluglärms, die wiederholten Aufforderungen zur Einhaltung der Kurruhe (Straßenverkehr und Baustellen), verbunden mit der Bitte an den Gemeinderat, für die Beachtung der diesbezüglichen Vorschriften sorgen zu wollen bzw. dass diese von den zuständigen staatlichen Stellen überwacht werden.

Der damals geplante Neubau der Spielbank mit Kurhaus und Tiefgarage an der Seepromenade, die Erweiterung des Golfplatzes, der Wild-Verbiss im Ortsteil Jägerwinkl, das sind nur einige Punkte, die vom Verein angesprochen wurden. Dazu noch vielerlei Themen im Zusammenhang mit der Kurverwaltung, die eine Stellungnahme des Vereins erforderlich machte.

Diese Aufzählung der Aktivitäten des Kur- und Verkehrsvereins kann natürlich nicht vollständig sein. Jedoch eine nach außen hin wirksame Aufgabe muss angesprochen werden: die Durchführung des jährlichen Blumenschmuck- Wettbewerbes und die Verleihung des Fassadenpreises! Schon im Jahr 1955 führte der Verein den ersten Wettbewerb durch. Der sichtbare Erfolg ermunterte zum Weitermachen und gab Veranlassung, den Wettbewerb zu einer ständigen Einrichtung werden zu lassen.

Beweis für die Richtigkeit der Entscheidung ist die Tatsache, dass im Jahr 1955 erstmals insgesamt 47 Anwesen prämiert werden konnten, während 30 Jahre später sich diese Zahl auf 412 vervielfachte. Eine Leistung, die dem gesamten Kurort zugute kommt und den Dank an die Blumenfreunde verdient.